Meinung: Der Bambu Lab H2D Laser-Edition wird als 3-in-1-Gerät eine Nische bleiben

Normalerweise bin ich Feuer und Flamme, wenn ein neuer 3D-Drucker herauskommt. Das spielt natürlich auch eine Rolle bei meiner persönlichen Meinung zum Bambu Lab H2D. Bei dessen Artikel zum Release bin ich immer wieder ins Staunen gekommen. Gleichzeitig sorgt Bambu Labs neues Flaggschiff bei mir auch für Stirnrunzeln. Und das hängt einerseits mit meiner vorherigen Erwartungshaltung zusammen, andererseits mit einigen voraussichtlichen praktischen Unannehmlichkeiten durch den 3-in-1-Gebrauch, auf deren Praxis-Handhabung ich beim H2D gespannt bin.

Meinung Bambu Lab H2D

Meine Erwartungshaltung: Ein Prusa XL-Killer

Sagen wir es so: Meine Erwartungshaltung stößt sich etwas am tatsächlichen Endprodukt in Form des Bambu Lab H2D. Ich denke, ich stehe dabei stellvertretend für einen Großteil innerhalb der 3D-Druck-Community, der sich nach dem Bambu Lab X1C zuerst einen größeren X1C und dann einen Prusa XL-Konkurrenten mit Mehrfach-Toolhead-Wechsler gewünscht hätte. Cool jedenfalls, dass Snapmaker und xTool jetzt wohl genau so etwas mit 4-Fach-Toolhead-Wechsler herausbringen werden, wenn auch für meinen Geschmack etwas zu klein.

Prusa XL Toolchanger XL macro
Begehrt aber teuer: 5-Fach-Toolhead-Wechsler im Prusa XL

Besonders verführerisch wäre ein solches Gerät von Bambu Lab wohl auch deshalb gewesen, weil Bambu Lab nicht nur für gute Software, sondern eben auch spätestens seit dem damals wirklich günstigen P1P bisher für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bekannt war. Die Startup-Zeiten sind aber (leider?) vorbei. Gut also, dass es etwa die A1-Reihe gibt, bei welcher der A1 Mini nach wie vor mein Mini-Lieblingsdrucker ist.

snapmaker xtool 3d drucker 1
Snapmaker & xTool 3D-Drucker mit 4-Fach-Toolhead: So etwas von Bambu Lab in größer? Mit Kusshand!

Dann kamen vom nachträglichen Beschneiden von Soft- und Hardwarefunktionen bis hin zum (Online-)Ausschluss des beliebten Orca-Slicers (Stichwort: Bambu Connect) bis heute umstrittene Entscheidungen seitens Bambu Labs hinzu, welche die Vorfreude auf ein neues Flaggschiff-Gerät bei mir dämpften; auch deshalb, weil sich Bambu Lab anders als bei früheren Kontroversen – Stand Anfang April 2025 – wohl nicht mehr durch die Open-Source-Gemeinde umstimmen lässt.

Bambu Lab H2D: Der kann ja (fast) alles?

Jetzt ist er also da: der H2D. Ein High-End 3D-Drucker, der mal eben ein 10W oder 40W-Laser-Engraver oder ein Plotter sein kann? Wenn das nicht eine platzsparende All-in-One-Lösung ist, die – so jedenfalls wird es Bambu Lab sicherlich auch betonen – im Vergleich zu drei einzelnen Profigeräten sogar noch Anschaffungskosten einspart. Diese Argumentation kommt mir übrigens ganz bekannt vor, denn die habe ich vor einem Jahr auch schon von Seiten Snapmakers gehört.

H2DAMS Laser e1742916010161

Bambu Lab & das Snapmaker-Konzept

Denn Snapmaker bietet mit dem Artisan eben auch so einen All-in-One-Ansatz – nur mit CNC-Modul statt Plotterfunktion. Leider haftet dem Gerät, das technisch sicherlich alles andere als auf Augenhöhe zu Bambu Lab ist, aber gleichzeitig bis heute auch der Ruf an, alles zu können – aber eben nichts so richtig gut. Das mag auch an Kompromissen liegen, die man in Sachen Arbeitsbereich, Spindelleistung und Co. bei einem Multifunktionsgerät machen muss. Und da wären wir auch schon bei den Einschränkungen, die es trotz aller Lobeshymnen auf den neuen H2D zu bedenken gilt.

Snapmaker Artisan e1743180719565
Snapmakers 3-in-1 Ansatz: Snapmaker Artisan

All-in-One = teurer Kompromiss?

Gleich vorweg: Ich denke, dass der Bambu Lab H2D zumindest als reiner 3D-Drucker mit AMS 2 Pro ein Erfolg werden wird – allein schon deshalb, weil der Preis deutlich unter einem Prusa XL angesiedelt ist. Ich bezweifle hingegen lediglich den Erfolg des 3-in-1-Gerätes – also des H2D „Laser Edition“. Die Zielgruppe – technikverliebte Power-User mit solidem Geldbeutel, aber wenig Stellplatz für mehrere Geräte – ist hier einfach viel zu spitz gewählt.

Bambu Lab H2D Laser 1

3D-Druck galt und gilt als nischig, aber Laser-Engraving und Plotter? Schreibt mir an dieser Stelle doch gern mal in die Kommentare, ob ihr das ähnlich seht. Vielleicht verkenne ich das Potenzial und bei vielen von euch stehen bereits entweder Laser-Engraver oder Plotter auch schon zu Hause herum.

Dann wäre da das Thema Bauraum/Arbeitsbereich. Beim 3D-Druck beträgt der Bauraum 325 x 320 x 325 mm bei Nutzung einer Düse und 300 x 320 x 325 mm bei beiden Düsen. Okay, das ist verschmerzbar, aber angesichts eines allgemein gewachsenen Bauraumbereichs bei High-End 3D-Druckern im Jahr 2025 auch nicht mehr riesig.

Das Bauraum/Arbeitsbereich-Spiel hört hier aber noch nicht auf: Beim Laser-Engraven mit 10W-Modul kommen wir auf eine Gravurfläche von 310 x 270 mm, beim 40W-Modul auf eine Fläche von 310 x 250 mm. Der Plotter gibt 300 x 285 mm Bearbeitungsfläche her. Was ich bei diesen Maßen gerade in Bezug auf das Laser-Engraving immer wieder als Feedback in Kommentaren und vor allem bei uns im Makerspace höre: Diese Maße sind für einen Laser-Engraver – noch dazu als Profigerät – einfach zu klein oder werden schnell zu klein. Leute, die es hier „ernst“ in Sachen Engraving und Plotting meinen, kaufen sich Einzelgeräte.

Bambu Lab H2D High Power 405nm Laser Size19201280 e1742915571589
10W & 40W-Lasermodule des neuen Bambu Lab H2D

3D-Druck vs. Laser-Engraving: Erfahrungen aus der Praxis

Im Fablab bei uns stehen viele 3D-Drucker und zwei eingehauste 40W-Laser-Engraver im selben Raum. Die CNC-Fräsen haben wir in einen anderen Raum verfrachtet, weil sie zu viel Dreck gerade für die nicht eingehausten 3D-Drucker produziert haben. Seitdem gibt es deutlich weniger Staub.

Makerspace Druckerseite
Unsere (im Umbau befindliche) Druckerseite im Makerspace…

Der wiederum kommt u.a. von den Laser-Engravern, die eben auch Gestank und Dreck vorzugsweise in Form von Schmauchspuren im Gerät selbst erzeugen. Das Meiste davon wird über einen Abluftschlauch nach draußen gepustet (wenn niemand vergisst, die Absaugung auch wirklich einzuschalten). Und dennoch: Reinigt man die Laser-Engraver nicht ständig akribisch, sind sie ganz schnell kaum noch zu gebrauchen.

Makerspace Laserseite
…und die Laser- und Reparaturseite auf der anderen Seite.

Genau da sehe ich ein Problem beim H2D. Ich frage mich: Wie löst Bambu Lab dieses Schmauchspurenproblem im H2D? Wie verhält es sich mit dem bisherigen Fetten von Spindeln und Co, wenn sich nach der nächsten Laser-Session Ruß auf den Achsen absetzt? Und was ist dann mit den Kameras, die wiederum für die visuelle Positionierung im Idealfall immer sauber sein sollten? Es wird bei einem wirklich abwechselnden Gebrauch der 3-in-1 Funktion also wohl auf fleißiges Putzen ankommen.

Max Mustermann Screenshot Kommentar unter H2D Artikel

Und genau das weiß wohl auch Bambu Lab: Wie der User Max Mustermann (Grüße gehen raus) uns mitgeteilt hat, existiert bereits ein jetzt schon ellenlanger (und nicht fertiger) Wiki-Eintrag zu Reinigungsanweisungen für die H2D Laser-Edition – mit Beispielfotos, die den Druckerinnenraum nach 40 Stunden Laserarbeit  zeigen: Macht euch am besten selbst ein Bild.

Bildausschnitte aus den Reinigungsanweisungen zum H2D
Bild-Ausschnitte aus den Reinigungsanweisungen für den H2D | Quelle: Bambu Lab Wiki

Bambu Lab H2D – Laser Edition als Speerspitze für günstigere Modelle

Höchstwahrscheinlich ist der H2D in der „Laser-Edition“ aber auch einfach nur eine Art „marktreifes Proof of Concept“, die technologische Speerspitze, mit der man zeigen will, was man alles im Consumermarkt zu leisten im Stande ist. Eine Art Werbeprodukt also, dass sich nicht wie warme Semmeln verkaufen soll, sondern nur auf den H2D in seiner „bloßen“-Form als schneller 3D-Drucker verweist, der dann mit seinem größeren Bauraum, dem Dual-Extruder-System und dem verbesserten AMS punktet und den Weg für weitere und vor allem günstigere Highspeed-3D-Drucker von Bambu Lab ebnet. Diese Strategie würde durchaus Sinn ergeben, kamen nach dem X1C, der damaligen technologischen „Speerspitze“ ja eben auch deutlich erschwinglichere Highspeed-3D-Drucker.

Jetzt aber mal zu euch: Stimmt ihr mit meiner Meinung über die 3-in-1-Funktion überein? Holt ihr euch den H2D als reinen 3D-Drucker? Schreibt es uns in die Kommentare. Übrigens: Bei uns hat sich die Ankunft des H2D leider drastisch verspätet, wir werden ihn aber möglichst zeitnah auch testen. Lieben Gruß in die Runde!

1c834af3e659462db9c09251fcecaa56

Wenn du über einen Link auf dieser Seite ein Produkt kaufst, erhalten wir oftmals eine kleine Provision als Vergütung. Für dich entstehen dabei keinerlei Mehrkosten und dir bleibt frei wo du bestellst. Diese Provisionen haben in keinem Fall Auswirkung auf unsere Beiträge. Zu den Partnerprogrammen und Partnerschaften gehört unter anderem eBay und das Amazon PartnerNet. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Profilbild von Thommy

Thommy

Wenn ich nicht gerade mit Familie und Freunden unterwegs bin, findet man mich im Bastelkeller. Dort tüftele ich zwischen Multiplex Easystar-Klonen, Impeller-Jets, RC-Crawlern und insbesondere meinem geliebten Anycubic Mega S, dem möglichst bald noch weitere 3D-Drucker folgen sollen.

Sortierung: Neueste | Älteste

Kommentare (7)

  • Profilbild von Max Muster
    # 31.03.25 um 20:33

    Max Muster

    Ja, stimme auf jedenfall mit dir überein. Ist zwar ganz nett, aber viel damit arbeiten wird man möglicherweise nicht können. Entweder man nutzt es ab und zu, dann find ich den Aufpreis aber zu hoch. Oder man will öfter mit einem Laser arbeiten, dann wird der Bauraum schnell zu klein
    Wobei Mpox mal ein interessantes Video auf Youtube dazu gedreht hat. Also was man mit 3D Drucken in Kombination mit einem Laser alles machen kann. So oder so wird sich die Szene sicher einige Anwendungsmöglichkeiten dazu einfallen lassen

  • Profilbild von danio
    # 01.04.25 um 00:06

    danio

    Ohne den ganzen Laserkram finde ich den im Vergleich zum Prusa XL mit zwei Tools nicht so schlecht, aber zu komplex. Hätte man die Spielerein weggelassen, hätte man ihn sicher noch günstiger anbieten können. Wär für runder. Aber die wollen das Apple der 3D Drucker werden, da bin ich ohnehin raus.

    Spannender werden in meinen Augen das neue Komzept von Bondtechs Toolchanger und Flashforges CJ270.

  • Profilbild von Kakue
    # 01.04.25 um 00:32

    Kakue

    Als Besitzer eines Flashforge Adventurer 5M Pro und eines XTOOL M1 Ultra mit Luftfiltern, Feuerlöschsystem und Air-Assist bin ich mir aktuell unschlüssig.

    Die Idee eines All-in One Gerätes ist für mich sehr verlockend, denn der Platzbedarf meiner Geräte ist enorm.
    Einen Druckraum von 30x30x30cm halte ich aktuell nicht für zu klein! Wichtig ist mir, dass der Drucker auch bis in die Ecken sauber arbeitet, und die Hersteller sollten hier lieber nicht zu viel versprechen und eher kleinere Bauräume planen. Beim M5Pro ist der Druck in den Randbereichen nicht ganz perfekt.

    Ein Laserbereich von etwa 30×30 halte ich für ausreichend groß im Hobbybereich. Auch der XTOOL M1 Ultra schafft nicht viel mehr; die Profi-Geräte sind nochmal größer und deutlich teurer.
    Hauptsache die handelsüblichen Holzplatten passen rein!

    Selbst beim schnellen M5Pro passiert in 40h nicht viel, aber der M1 Ultra hat selbst mit dem 10Watt Laser eine ganze Menge Material verdampft. Die Maschinenzeiten sind zwischen den beiden Gerätegattungen einfach nicht vergleichbar. Um mal eine Orientierung zu geben: Der wirklich sehr gute xTool SafetyPro™ AP2 Air Purifier with SuperCyclone System kostet im Bundle 500 EUR ohne jeglichen Rabatt 999 EUR. Nach 100 Stunden Nutzung mit einem M1 Ultra wird ein Filterwechsel notwendig, der mindestens 200 Euro kostet.
    Dass also nach 40 Stunden im Bambu eine größere Reinigung ansteht, halte ich für völlig normal.
    Den Laser des M1 muss man nach höchstens 4 Stunden einmal reinigen und nach etwa 12 Stunden habe ich die Maschine zum ersten Mal richtig geputzt.

    Was ich allerdings nicht verstehe: Warum ist das Gehäuse des Bambu nicht getönt? Wird der nicht als Class 1 Laser angeboten? Warum nur auf die Brille vertrauen? Ich nutze meine *zusätzlich* zum eigentlich ausreichend abschirmenden Gehäuse.

    • Profilbild von danio
      # 02.04.25 um 23:30

      danio

      @Kakue:
      Was ich allerdings nicht verstehe: Warum ist das Gehäuse des Bambu nicht getönt? Wird der nicht als Class 1 Laser angeboten? Warum nur auf die Brille vertrauen? Ich nutze meine *zusätzlich* zum eigentlich ausreichend abschirmenden Gehäuse.

      ABS drucken verschmockt einen Drucker schon ganz gut, da will ich keinen Laser drin haben. Zumal beide bei mir gleichzeitig laufen müssten. Aber wenn Du die Variante mir Laser bestellst, sind die Scheiben getönt.

  • Profilbild von snug
    # 01.04.25 um 06:11

    snug

    …für ein wirklich sinnvolles "AllInOne"-Gerät sollte der Bambu Lab H2D noch eine Wasserstrahlschneidfunktion haben, damit man auch Fliesen usw. schneiden kann – das kann der Laser nämlich nicht, auch nicht mit 40W Leistung (was ja schon echt ordentlich ist). Dies Funktion vermisse ich immer bei den günstigen Multifunktionsgeräten im Konsumerbereich. Wahrscheinlich würde es hier aber große Probleme bei der Abdichtung/Kapselung und bei der Umsetzung bezüglich Hochdruckpumpe/Wasserberbehälter geben.

    • Profilbild von Kakue
      # 01.04.25 um 09:46

      Kakue

      Wand- oder Bodenfliesen?
      Hast Du ein en Vorschlag, für ein schönes Regal oder einen kleinen Rollwagen, wo Du den Fliesenvorrat zwischenlagerst?

  • Profilbild von Peter Katheter
    # 01.04.25 um 19:56

    Peter Katheter

    @Kakue:
    Was ich allerdings nicht verstehe: Warum ist das Gehäuse des Bambu nicht getönt? Wird der nicht als Class 1 Laser angeboten? Warum nur auf die Brille vertrauen? Ich nutze meine *zusätzlich* zum eigentlich ausreichend abschirmenden Gehäuse.

    Du siehst die grün getönten Scheiben oben auf dem Foto?

Kommentar schreiben

Name
E-Mail
Diese E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht

Mit Absenden des Formulars akzeptiere ich die Datenschutzerklärung und die Nutzungsbedingungen.