Meinung: Der Bambu Lab H2D Laser-Edition wird als 3-in-1-Gerät eine Nische bleiben
Normalerweise bin ich Feuer und Flamme, wenn ein neuer 3D-Drucker herauskommt. Das spielt natürlich auch eine Rolle bei meiner persönlichen Meinung zum Bambu Lab H2D. Bei dessen Artikel zum Release bin ich immer wieder ins Staunen gekommen. Gleichzeitig sorgt Bambu Labs neues Flaggschiff bei mir auch für Stirnrunzeln. Und das hängt einerseits mit meiner vorherigen Erwartungshaltung zusammen, andererseits mit einigen voraussichtlichen praktischen Unannehmlichkeiten durch den 3-in-1-Gebrauch, auf deren Praxis-Handhabung ich beim H2D gespannt bin.
Inhalt
Meine Erwartungshaltung: Ein Prusa XL-Killer
Sagen wir es so: Meine Erwartungshaltung stößt sich etwas am tatsächlichen Endprodukt in Form des Bambu Lab H2D. Ich denke, ich stehe dabei stellvertretend für einen Großteil innerhalb der 3D-Druck-Community, der sich nach dem Bambu Lab X1C zuerst einen größeren X1C und dann einen Prusa XL-Konkurrenten mit Mehrfach-Toolhead-Wechsler gewünscht hätte. Cool jedenfalls, dass Snapmaker und xTool jetzt wohl genau so etwas mit 4-Fach-Toolhead-Wechsler herausbringen werden, wenn auch für meinen Geschmack etwas zu klein.

Besonders verführerisch wäre ein solches Gerät von Bambu Lab wohl auch deshalb gewesen, weil Bambu Lab nicht nur für gute Software, sondern eben auch spätestens seit dem damals wirklich günstigen P1P bisher für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bekannt war. Die Startup-Zeiten sind aber (leider?) vorbei. Gut also, dass es etwa die A1-Reihe gibt, bei welcher der A1 Mini nach wie vor mein Mini-Lieblingsdrucker ist.

Dann kamen vom nachträglichen Beschneiden von Soft- und Hardwarefunktionen bis hin zum (Online-)Ausschluss des beliebten Orca-Slicers (Stichwort: Bambu Connect) bis heute umstrittene Entscheidungen seitens Bambu Labs hinzu, welche die Vorfreude auf ein neues Flaggschiff-Gerät bei mir dämpften; auch deshalb, weil sich Bambu Lab anders als bei früheren Kontroversen – Stand Anfang April 2025 – wohl nicht mehr durch die Open-Source-Gemeinde umstimmen lässt.
Bambu Lab H2D: Der kann ja (fast) alles?
Jetzt ist er also da: der H2D. Ein High-End 3D-Drucker, der mal eben ein 10W oder 40W-Laser-Engraver oder ein Plotter sein kann? Wenn das nicht eine platzsparende All-in-One-Lösung ist, die – so jedenfalls wird es Bambu Lab sicherlich auch betonen – im Vergleich zu drei einzelnen Profigeräten sogar noch Anschaffungskosten einspart. Diese Argumentation kommt mir übrigens ganz bekannt vor, denn die habe ich vor einem Jahr auch schon von Seiten Snapmakers gehört.
Bambu Lab & das Snapmaker-Konzept
Denn Snapmaker bietet mit dem Artisan eben auch so einen All-in-One-Ansatz – nur mit CNC-Modul statt Plotterfunktion. Leider haftet dem Gerät, das technisch sicherlich alles andere als auf Augenhöhe zu Bambu Lab ist, aber gleichzeitig bis heute auch der Ruf an, alles zu können – aber eben nichts so richtig gut. Das mag auch an Kompromissen liegen, die man in Sachen Arbeitsbereich, Spindelleistung und Co. bei einem Multifunktionsgerät machen muss. Und da wären wir auch schon bei den Einschränkungen, die es trotz aller Lobeshymnen auf den neuen H2D zu bedenken gilt.

All-in-One = teurer Kompromiss?
Gleich vorweg: Ich denke, dass der Bambu Lab H2D zumindest als reiner 3D-Drucker mit AMS 2 Pro ein Erfolg werden wird – allein schon deshalb, weil der Preis deutlich unter einem Prusa XL angesiedelt ist. Ich bezweifle hingegen lediglich den Erfolg des 3-in-1-Gerätes – also des H2D „Laser Edition“. Die Zielgruppe – technikverliebte Power-User mit solidem Geldbeutel, aber wenig Stellplatz für mehrere Geräte – ist hier einfach viel zu spitz gewählt.
3D-Druck galt und gilt als nischig, aber Laser-Engraving und Plotter? Schreibt mir an dieser Stelle doch gern mal in die Kommentare, ob ihr das ähnlich seht. Vielleicht verkenne ich das Potenzial und bei vielen von euch stehen bereits entweder Laser-Engraver oder Plotter auch schon zu Hause herum.
Dann wäre da das Thema Bauraum/Arbeitsbereich. Beim 3D-Druck beträgt der Bauraum 325 x 320 x 325 mm bei Nutzung einer Düse und 300 x 320 x 325 mm bei beiden Düsen. Okay, das ist verschmerzbar, aber angesichts eines allgemein gewachsenen Bauraumbereichs bei High-End 3D-Druckern im Jahr 2025 auch nicht mehr riesig.
Das Bauraum/Arbeitsbereich-Spiel hört hier aber noch nicht auf: Beim Laser-Engraven mit 10W-Modul kommen wir auf eine Gravurfläche von 310 x 270 mm, beim 40W-Modul auf eine Fläche von 310 x 250 mm. Der Plotter gibt 300 x 285 mm Bearbeitungsfläche her. Was ich bei diesen Maßen gerade in Bezug auf das Laser-Engraving immer wieder als Feedback in Kommentaren und vor allem bei uns im Makerspace höre: Diese Maße sind für einen Laser-Engraver – noch dazu als Profigerät – einfach zu klein oder werden schnell zu klein. Leute, die es hier „ernst“ in Sachen Engraving und Plotting meinen, kaufen sich Einzelgeräte.

3D-Druck vs. Laser-Engraving: Erfahrungen aus der Praxis
Im Fablab bei uns stehen viele 3D-Drucker und zwei eingehauste 40W-Laser-Engraver im selben Raum. Die CNC-Fräsen haben wir in einen anderen Raum verfrachtet, weil sie zu viel Dreck gerade für die nicht eingehausten 3D-Drucker produziert haben. Seitdem gibt es deutlich weniger Staub.

Der wiederum kommt u.a. von den Laser-Engravern, die eben auch Gestank und Dreck vorzugsweise in Form von Schmauchspuren im Gerät selbst erzeugen. Das Meiste davon wird über einen Abluftschlauch nach draußen gepustet (wenn niemand vergisst, die Absaugung auch wirklich einzuschalten). Und dennoch: Reinigt man die Laser-Engraver nicht ständig akribisch, sind sie ganz schnell kaum noch zu gebrauchen.

Genau da sehe ich ein Problem beim H2D. Ich frage mich: Wie löst Bambu Lab dieses Schmauchspurenproblem im H2D? Wie verhält es sich mit dem bisherigen Fetten von Spindeln und Co, wenn sich nach der nächsten Laser-Session Ruß auf den Achsen absetzt? Und was ist dann mit den Kameras, die wiederum für die visuelle Positionierung im Idealfall immer sauber sein sollten? Es wird bei einem wirklich abwechselnden Gebrauch der 3-in-1 Funktion also wohl auf fleißiges Putzen ankommen.
Und genau das weiß wohl auch Bambu Lab: Wie der User Max Mustermann (Grüße gehen raus) uns mitgeteilt hat, existiert bereits ein jetzt schon ellenlanger (und nicht fertiger) Wiki-Eintrag zu Reinigungsanweisungen für die H2D Laser-Edition – mit Beispielfotos, die den Druckerinnenraum nach 40 Stunden Laserarbeit zeigen: Macht euch am besten selbst ein Bild.

Bambu Lab H2D – Laser Edition als Speerspitze für günstigere Modelle
Höchstwahrscheinlich ist der H2D in der „Laser-Edition“ aber auch einfach nur eine Art „marktreifes Proof of Concept“, die technologische Speerspitze, mit der man zeigen will, was man alles im Consumermarkt zu leisten im Stande ist. Eine Art Werbeprodukt also, dass sich nicht wie warme Semmeln verkaufen soll, sondern nur auf den H2D in seiner „bloßen“-Form als schneller 3D-Drucker verweist, der dann mit seinem größeren Bauraum, dem Dual-Extruder-System und dem verbesserten AMS punktet und den Weg für weitere und vor allem günstigere Highspeed-3D-Drucker von Bambu Lab ebnet. Diese Strategie würde durchaus Sinn ergeben, kamen nach dem X1C, der damaligen technologischen „Speerspitze“ ja eben auch deutlich erschwinglichere Highspeed-3D-Drucker.
Jetzt aber mal zu euch: Stimmt ihr mit meiner Meinung über die 3-in-1-Funktion überein? Holt ihr euch den H2D als reinen 3D-Drucker? Schreibt es uns in die Kommentare. Übrigens: Bei uns hat sich die Ankunft des H2D leider drastisch verspätet, wir werden ihn aber möglichst zeitnah auch testen. Lieben Gruß in die Runde!
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Kommentare (7)